Bochum


Tief im Westen

„Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser als man glaubt!“

Herbert Grönemeyers musikalische Liebeserklärung an seine Heimatstadt Bochum hat 1984 deutsche Rockgeschichte geschrieben. Er hat es auf den Punkt gebracht. Die graue Maus des Ruhrgebietes, die Stadt zwischen Ruhr und Emscher, hat mehr zu bieten, als ihr Image glauben macht. Knapp 400.000 Menschen leben hier, und wie man gerne glauben möchte, nicht schlecht. Natürlich haben Kohle und Stahl auch dieser Ruhrgebietsstadt ihren Stempel aufgedrückt. Doch die alten Zeiten der boomenden Schwerindustrie sind längst vorbei. Die letzte Kohleförderung auf der Zeche Hannover datiert von 1973. „Stahl“ gibt es lediglich als Stichwort für glänzende Erinnerungen, zum Beispiel direkt vor dem Bochumer Rathaus.

 

Die historische Gussstahlglocke dort verweist auf die Wurzeln, auf den „Bochumer Verein“, dem es 1842 erstmals in der Geschichte gelungen war, mit Hilfe einer Form modernen Gussstahl herzustellen.

Doch Bochum lebt nicht von seinen Erinnerungen. Zwar gibt es über zwölf, teilweise herausragende Museen, wie z.B. das Museum Bochum mit seiner bedeutenden ost- und mitteleuropäischen Kunstsammlung oder das Deutsche Bergbaumuseum, bei dem sich alles um das „Schwarze Gold“ des Reviers dreht, oder das Deutsche Eisenbahnmuseum, das nicht nur für Freunde historischer Lokomotiven längst zum Mekka geworden ist.

Nein, der Blick in Bochum richtet sich weniger zurück als nach vorne und nach oben. Die scherzhaft „Cap Kaminski“ genannte Bochumer Sternwarte wurde Ende der 50er-Jahre berühmt, weil sie als erste die Signale eines sowjetischen Sputnik-Satelliten auffangen konnte. Das Zeiss-Planetarium erlaubt fantastische Reisen in den Weltraum zu mehr als 9000 Sternen an einer 20 Meter Kuppel. Schnelle Planetariumsrechner, Video-Großprojektionen und Computersimulationen ermöglichen unvorstellbare Zeitreisen.

Liebhaber rasanter Musicals kommen seit 1988 – ohne Unterbrechung – mit dem Besuch des „Starlight Express“ auf ihre Kosten. Loks, die im Eisenbahnmuseum in Dahlhausen im Original zu bestaunen sind, rasen hier, von Rollschuh laufenden, bizarr kostümierten Sänger(inne)n dargestellt, auf der Bühne und im Publikum um die Wette. Ein Spektakel, das schon Generationen von Zuschauern begeistert hat. Damit nicht genug an Kultur: Bochum hat 20 Bühnen zu bieten. Von der Komödie über Varieté und Kabarett, vom experimentellen Theater bis hin zur bundesweit anerkannten Inszenierungskunst à la Bochumer Schauspielhaus, lässt Bochum keine Theaterwünsche offen.

Das Spektrum an Freizeitmöglichkeiten in der Universitätsstadt ist damit längst nicht erschöpft. Die Jahrhunderthalle, die Zeche Hannover und der Tierpark Bochum gehören ebenfalls zu den attraktiven Ausflugzielen. Wer es ruhiger mag, findet im Botanischen Garten der Ruhr-Universität Bochum, im Chinesischen Garten, im Stadtpark oder  am Kemnader See Oasen der Entspannung. Und wer lieber auf angenehme Art gastronomisch abtauchen möchte, findet im „Bermudadreieck“ sicher ein angesagtes Lokal nach eigenem Gusto. Im bekanntesten Kneipenviertel des Reviers liegt ein Szenelokal neben dem nächsten.

 

Verschollen im Bermudadreieck

Über 60 Kneipen, Bars, Discos, Restaurants und Cafés bieten das volle Leben außerhalb der eigenen vier Wände. Kleine Länderauswahl mit typischen Gerichten gefällig? Chinesisch, orientalisch, türkisch, spanisch, italienisch, japanisch, griechisch, australisch, argentinisch, kubanisch, amerikanisch, holländisch, indisch, deutsch, mexikanisch oder irisch lauten die Angebote für den hungrigen Fan wirklich internationaler Küche. Doch Vorsicht, wie der Name schon sagt, im Bermudadreieck soll schon so mancher spurlos verschwunden sein.


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