Gelsenkirchen

 

Stadt der tausend Feuer - das war einmal

 Für einen sportlichen Fernsehsender Wunsch und Werbebotschaft, für die Stadt Gelsenkirchen in jeder Beziehung die pure Wahrheit: mittendrin. Mitten in Nordrhein-Westfalen, mitten im Ruhrpott und mitten im Leben. Zentraler geht es kaum noch. Zwischen Essen, Oberhausen, Bottrop, Herne und Bochum gelegen, ist hier der Mittelpunkt der Ruhrgebietsmetropole, die insgesamt nicht weniger als 5,3 Millionen Einwohner auf 4,4 Quadratkilometern zählt. Damit leben im Revier deutlich mehr Menschen als in Rom, Paris oder Berlin.

Dass Schalke an der Grenzstraße liegt, wissen wir durch Ernst Kuzorra zur Genüge. Und dass die Grenzstraße ein Teil von Gelsenkirchen ist, darüber wird sich niemand wundern, der Schalke im Atlas verorten kann. Verwundern wird aber möglicherweise die wirtschaftliche und kulturelle Vielfalt, die in der 270.000-Einwohner-Stadt sichtbar wird.

Wie andere Ruhrgebietsstädte auch, hat sich „die kleine Großstadt“ zwischen Emschermulde und Rhein-Herne-Kanal der Herausforderung namens Strukturwandel gestellt. Mit Erfolg: Kohle und Stahl sind zwar nicht völlig aus dem Gelsenkirchener Stadtbild verschwunden. Aber Europas ehemaliger Steinkohlestandort Nummer 1 präsentiert sich heute als modernes Wissenschafts- und Dienstleistungszentrum, das sich vor allem im Bereich der Solartechnik einen guten Namen gemacht hat.

Dennoch gibt es immer noch einige interessante Stationen der „Route Industriekultur“, und damit imposante Baudenkmäler aus jener Zeit, als man Gelsenkirchen wegen seiner unzähligen Grubengasfackeln die „Stadt der tausend Feuer“ nannte. Doch das ist lange schon Geschichte. Theater, Museen, Kulturstätten, Freude, Erholung und Spiel – all das ist heute in Gelsenkirchen deutlich dominanter. Das Musiktheater im Revier (MIR), das Städtische Museum in Buer, das Consol-Theater im Lüftermaschinengebäude der Zeche Consodilation und die Künstlersiedlung Halfmannshof gehören dabei ganz vorne genannt.

Wer sich mehr für architektonische Schönheit interessiert, sollte einen Abstecher zum Renaissance-Schloss Horst oder zur malerischen Wasserburg Haus Lüttinghof machen. Einen tiefen Einblick in die Geschichte des Ruhrgebietes erlaubt die restaurierte Bergbausiedlung Schüngelberg in Buer an der Halde Rungenberg. Ganz in der Nähe befindet sich das „Kleine Museum“. Dort erfährt der Besucher aus erster Hand, nämlich vom ehemaligen „Kumpel“ Klaus Herzmanatus, alles Wesentliche über die Welt der Bergleute und deren Familien. Knappen, so lernt man schnell, wurden die Bergleute genannt, die Tag für Tag in „Körben“ mehr als 1000 Meter tief unter die Erde befördert wurden, um dort das schwarze Gold des Ruhrgebietes aus den Flözen zu fördern.

 

Tierischer Spaß im ZOOM

Aber auch Familien mit erhöhtem Spaß-Bedarf kommen in der Stadt voll auf ihre Kosten: Tierisch ab, und zwar wortwörtlich, geht’s etwa im ZOOM, dem innovativen Zoo-Erlebnis der außergewöhnlichen Art. Da ist Vergnügen ohne Ende garantiert – für groß und klein. Oder wie wär’s mit einem Zwischenstopp am „Deutschlandexpress“? Wetten, dass in dieser immerhin drittgrößten Miniatureisenbahn-Landschaft Deutschlands Kinder in völlige Verzückung geraten werden – und deren Väter nicht minder?

Wem das alles noch zu ruhig ist, dem sei ein Besuch des jährlich über Gelsenkirchen hereinbrechenden Rock-Hard-Festivals empfohlen: Die Crème de la Crème der internationalen Heavy-Metal-Bands lässt es sich dann nicht nehmen, Headbangern und Hardrock-Fans die Gehörgänge frei zu pusten. Bei dieser Phonstärke kommen sogar die „Toor!“-Schreie in der Veltins-Arena nicht mehr mit.


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